Der Hammer – Eindrücke vom stARTcamp Ruhryork

Der Hammer – Eindrücke vom stARTcamp Ruhryork

Obwohl das Gute ja so nah liegt, muss ich gestehen, dass ich eher selten im Ruhrgebiet unterwegs bin. Eine Schande und ich gelobe Besserung! Denn mich macht die Mischung aus Industriekultur, Schnodderigkeit und Herz extrem an! Alles ein bisschen dreckig – aber auch in vielen versteckten Ecken überraschend kreativ. Und Frank Tentler wies die gut gelaunte stARTcamp-Meute auch noch auf etwas hin, was mir bislang nicht klar war: Kultur 2.0 wurde im Ruhrgebiet erfunden. Denn nicht nur die stARTconference hat hier begonnen, das Thema Kultur im Web 2.0 breiter zu diskutieren. Mit den Duisburger Philharmonikern war das erste Mal auch ein Orchester im Web aktiv unterwegs. Und nun waren wir gestern ein erwartungsvolles Publikum beim stARTcamp Ruhryork, das voll und ganz auf seine Kosten kam. Beim ersten Barcamp zu Kunst und Kultur in Oberhausen. An dieser Stelle – bevor sich das am Ende so “versendet” – schon mal ein großes Dankeschön an die Macher!

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Und ganz besonders gefreut hat es mich, dass sich so viele für meine Session zum Kreativen Schreiben interessiert haben. Ja, die gute alte analoge Kulturtechnik ist eben doch auch für das Digitale nicht ganz uninteressant. Ob es jetzt darum dreht, sich Rezepte gegen Schreibblockaden beim Bloggen zu holen oder sich Gedanken über kreative und sinnvolle Hashtag-Einfälle zu machen – mit kreativen Schreibanleitungen kann man hier einiges Ausprobieren. Und die Spielerei “Ein Wort für den Ort” passte ganz gut ins Ambiente vom Druckluft – wie ich fand. Mit den Wortsalaten, die ich verteilte und die nach Herta-Müller-Art dann kreative Texte gemischt werden konnten, erzeugten ein paar wundervolle Bilder.

 

 Natürlich waren es wieder die zahlreichen Begegnungen zwischendurch, die ein Barcamp immer zu einem Jahrmarkt der Möglichkeiten werden lässt. In mehreren Gesprächen zeigte es sich, dass es so unglaublich viel Sinn macht, Menschen mit denselben Interessen zusammenzubringen. Und natürlich überrascht es nicht, dass besonders bei den vielen Kulturschaffenden so ein Barcamp zu einem Inkubator für neue Ideen wird. Nicht zu unterschätzen ist dabei auch die Wahl der Location. Denn diese tut ein Übriges. Das Druckluft in Oberhausen ist einer dieser Orte, die zwar morgens gerne mal nach Bier und Zigarettenqualm riechen, wo man aber durch die verwinkelten Räume streift und ständig neue Entdeckungen macht. Ich fand es einfach großartig dort! Im schnellen Takt der wechselnden Sessions lief man zwar manchmal etwas atemlos vom einen zum anderen – aber ich bin davon überzeugt: so muss ein Barcamp sein. Es ist eigentlich gar nicht schlecht, die vielen Anregungen und Begegnungen erst im Nachhinein gedanklich zu sortieren. Und einfach vor Ort so viel mitzunehmen, wie es nur geht.

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Und das ist auch noch passiert: Mit Wibke Ladwig und Harald Link haben wir eine richtig spannende Diskussionsrunde geführt über “Extreme Iron Meta-Blogging für Kunst, Kultur und Kreativität”. Die beiden stellten uns, die wir alle um einen Tisch saßen, die Frage, was es braucht, um ein sinnvolles Portal oder eine Vernetzungsplattform für Kulturblogs aufzubauen. Interessant, wie unterschiedlich die Wünsche und Erwartungen an solch ein Unterfangen aussehen könnten. Es oszillierte zwischen kuratiertem Themenportal und aggregiertem (kann man das so sagen????) Infopool. Ich bin mega-gespannt, was Wibke und Harald jetzt mit den in der Runde gesammelten Ideen machen werden.

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Für mich persönlich hat die Session mit Rebecca Hagelmoser und Jelena Löckner einen richtigen Kick für meine Arbeit gebracht. Die beiden promovieren in Narratologie und bis dato hab ich mir noch nie wirklich Gedanken darüber gemacht, was sich hinter diesem Stichwort verbirgt. Die Theorie des Geschichtenerzählens ist hochspannend und ich werde mich damit in Zukunft mal ein bisschen eigehender beschäftigen. Es ist nämlich ganz gut, wenn man bei all der Praxis immer mal wieder auch auf die Meta-Ebene klettert und sich ein paar grundsätzliche Gedanken macht. Die können die alltägliche Arbeit dann wieder richtig schön befeuern. Mich würde es auch sehr freuen, wenn die beiden sich auch einmal an einen Praxis-Workshop zu ihrem Expertenthema anbieten. Ich glaube, dass die Chancen dazu ganz gut stehen. Ich wüsste auf jeden Fall schon den perfekten Rahmen dafür!!

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Da die Statistik besagt, dass kaum jemand lange Blogbeiträge liest, werde ich mit meiner Schwärmerei an dieser Stelle mal enden. Und eigentlich müsst ihr auch unbedingt selber auf ein stARTcamp kommen, damit ihr den Spirit erlebt. Auf eine Session muss ich aber unbedingt noch eingehen. Das war die spontan noch angebotene Diskussionsrunde zu den Vorgängen in der Türkei. Marc Nikolait war nicht nur als einer der Initiatoren des stARTcamps unterwegs. Er hat auch seit den ersten schrecklichen Ereignissen in Istanbul unermüdlich eine Solidaritätsbekundung nach der anderen im Ruhrgebiet organisiert und die Beobachtungen die er unter großem Einsatz nahezu rund um die Uhr gemacht hat, im Blog Resistanbul Ruhr zusammengefasst. In dem Gespräch, dass durchaus auch kontrovers über die Frage der neutralen Berichterstattung und Glaubwürdigkeit im Netz geführt wurde, wurde deutlich: Es ist unglaublich wichtig, dass wir hier vor allem auch mit den vielen Bloggern und Twitterern vor Ort solidarisch sein müssen. Marc ist der Meinung, dass es besser ist, auch mal Gefahr zu laufen, ein gefaktes Bild zu teilen, dass dies aber allemal besser sei, als die Proteste und Vorkommnisse zu ignorieren. Recht hat er. Es verdient wirklich Respekt, wie er sich da engagiert. Heute ist er nach Istanbul geflogen, um von dort aus weiter zu berichten!!!

Was ich auf diesem stARTcamp Ruhryork gelernt habe, ist, dass es total spannend ist, sich mit neuen Tools und Plattformen für Social Media auseinanderzusetzen. Aber noch viel interessanter ist es meiner Meinung nach, sich Gedanken darüber zu machen, wofür man sie in Zukunft nutzen will. Mit welchem Ziel vor Augen. Und da möchte ich noch einmal allen danken, mit denen ich mich an diesem Tag im Pott austauschen konnte! Ich bin sicher, wir bleiben im Gespräch!!

2 Comments

  1. […] Anke von Heyl / 11punkt Verlag, Der Hammer – Eindrücke vom stARTcamp Ruhryork […]

  2. […] Rückblicke: von Christian Henner-Fehr, Claudia, Wibke Ladwig, Tanja Leuthe, Michael Masberg und Anke von Heyl. (Kein Anspruch auf Vollständigkeit.) Da ja aber jeder sein eigenes stARTcamp erlebt, will ich […]

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